Herbert Brödl im Gespräch

 

Warum drehen Sie immer wieder in Amazonien?

                  Der Rio Negro hat's mir angetan. Ich hab den Fluss gesehen und wusste, das ist mein Ort. Eine solche Begegnung hat man vielleicht nur einmal im Leben, wie die Begegnung mit einem Lebensmenschen.
  
Was zeichnet die Menschen in Amazonien aus?
 Unendliche Geduld, schwierigste Lebensumstände zu ertragen, große Leidensfähigkeit und ein unerschöpfliches Improvisationstalent, ausweglose Situationen zu meistern.
  
Warum gerade ein Film über das Fliegen in Amazonien?
 Aus Liebe zur Fliegerei und weil Fliegen in Amazonien eine besondere Rolle spielt. Das brasilianische Amazonien ist enorme 5 Millionen Quadratkilometer groß und Flugzeuge sind das Fortbewegungsmittel, wo es keine Straßen gibt und die Alternative tage- und wochenlange Flussfahrten sind. Und weil sich Fliegern die Vogelperspektive eröffnet. Dadurch haben sie einen anderen, umfassenderen Blick auf die Welt.
  
Wie haben Sie die beiden Hauptfiguren gefunden?
 Ich habe mit zwölf Piloten gesprochen und ihre Geschichten aufgezeichnet. Die von Nilton und Fernando fand ich am spannendsten, auch ihre Aussagen übers Fliegen. Sie sind Antagonisten. Der eine ein Familienmensch, der sein Nest baut, der andere ein Nomade, den die Gefahr lockt. Und schließlich die Schnittstelle zwischen den beiden, die gemeinsam erlebte Entführung, bei der es um Leben und Tod ging.
  

Im Film werden die Piloten von Schauspielern dargestellt.

Warum?

 Eigentlich wollte ich mit den beiden Piloten drehen. Das ging dann nicht, weil sie ihre Jobs verloren hätten, wenn sie für Monate zum Film gegangen wären. Also entschloss ich mich für Schauspieler, ohne aber den dokumentarischen Ansatz und die Improvisation beim Drehen aufzugeben.
 

 

 

Wie entwickelten Sie die Geschichten, die die beiden

Piloten erzählen?

                         Am Beginn standen die Recherche und viele Stunden Gespräche mit den Piloten. Die Niederschrift dieser Gespräche war das Material, mit dem ich zu arbeiten begann. Die Monologe der beiden Piloten im Film haben diesen authentischen Hintergrund und sind literarisch von mir verfasst.
  
Welchen Stellenwert hat für Sie die Arbeit am Drehbuch?
 Ich hab ja als Autor begonnen und bin erst später zur Regie gekommen. Mit dem Schreiben nähere ich mich meinem Thema. Das Drehbuch ist der Prozess dieser Annäherung, Reflexion über das recherchierte Material und seine Umsetzung in Bilder, auch Sprachbilder.
  

Die Trennlinie zwischen Dokumentarfilm und Spielfilm

ziehen Sie nicht so strikt?

 Da bin ich kein Fundamentalist. 'Flieger' hat grenzgängerisch Elemente beider Genres, so wie die meisten meiner Filme. Ausgangspunkt ist und bleibt das Authentische. Darauf reagiere ich mit meinen Gedanken und meiner Fantasie. Gefundenes also, das ich durch Erfundenes erweitere.
  
Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert?
 Zehn Wochen, in denen wir eine große Reise durch Amazonien gemacht haben. Es ging mir auch darum, nicht nur den Urwald Amazoniens zu zeigen, der von oben wie Brokkoli in Endlosigkeit aussieht, sondern auch seine Gebirge und Savannen und immensen Flussarchipele, die Vielfalt der Landschaftsbilder im Kosmos Amazonien.
  
Der Rhythmus des Films ist langsam.
 Mit Absicht. Ich will, dass meine Filme einen Atem haben, im Gegensatz zur weit verbreiteten Atemlosigkeit.
  
 Interview: Ernst Pohn