Nilton

Dieses Gerede, dass der Urwald dich in seinen Bann zieht und verschlingt, ist die nackte Wahrheit. Ich hab Antidepressiva geschluckt und bin so gerüstet durch Amazonien geflogen, gut begleitet von der 'Flieger'-Crew, deren Pilot Herbert uns mit sicherer Hand steuerte und gleichzeitig der Realität so aussetzte, dass sie uns unter die Haut ging.

Es war verrückt. Ich fühlte mich verletzlich, hatte Angst vorm Fliegen und vorm Sterben und trauerte um eine Tante, mit der mich viel verband. Für sie war es Zeit zu gehen und für mich Zeit zu fliegen. Und eh ich's mich versah, hatte ich die Antidepressiva weggeworfen und war voller Energie, weil ich diese Figur im Film spielte, den Andern, der ich selbst so gern wär, die ideale Rolle, das wahre Leben.
Umsichtiger Pilot und Kamikaze zugleich, das charakterisiert den Film. Handelt er vom Mut, die Angst vor dem Tod zu besiegen, um zu leben? Ich weiss es nicht. Da sind einfach zwei Piloten, die sich ihre Gedanken machen. Gedanken in den Lüften, hoch über dem Dschungel, unter Zuhilfenahme von Beruhigungsmitteln, Zigaretten und Poesie. Das hat mir dieser Film geboten und dabei hab ich mich hoffnungslos in Amazonien verliebt.
Nilton Bicudo, der Darsteller von Nilton in 'Flieger'


Fernando

'Flieger', das waren für mich zwei Monate in einem Brasilien, auf das ich nicht gefasst war. Amazonischer Dialekt mit österreichischem Akzent, überwältigende Schönheit der Natur aus der Vogelperspektive, beängstigende Zerstörung durch Garimpos, faszinierende Geschichten der Waldbewohner.
Drei Amazonien haben uns zwischen den Flügen beherbergt. Manaus mit Bäumen, deren Wurzeln durch den Asphalt brechen, Dialog der Natur mit der Urbanität. Barcelos mit dem Blick auf den Rio Negro und der Allgegenwart des Regenbogens. São Gabriel da Cachoeira und seine Stromschnellen, die Tag und Nacht singen.
Und immer wieder der Blick von oben auf die grüne Haut der Erde, unantastbares furioses Leben, in das die Flüsse fantastische Formen zeichnen. Was wir hier im Süden einen Fluss nennen, geht dort vielleicht als Rinnsal durch.
'Flieger' ist ein mutiger austro-amazonischer Blick auf menschliches Tun und Trachten, auf die 'Chauffeure der Lüfte' und ihre Geschichten am schönsten Schauplatz der Welt. Für mich, den Stadtbewohner, der als Kind am Rio Araguaia war, kam die Einladung nach Amazonien wie ein Segen. Dafür bin ich dankbar.
Fernando Alves Pinto, der Darsteller von Fernando in 'Flieger'